Elberadweg von Spindleruv Mlyn bis Magdeburg

Eigentlich wollten wir, d.h. Dietrich aus Stuttgart (65), Edgar (53) aus Schwäbisch-Hall, Norbert (64) aus Renningen-Malmsheim und ich (Walter, 56) aus Stuttgart in diesem Jahr den Inntalradweg vom Maloja-Pass bis Passau fahren. Wir machen seit Jahren jeweils zu Pfingsten eine einwöchige Fahrradtour, hatten schon Karten und Info-Material für die Inntalstrecke gesammelt und wollten uns dann im Februar für die konkrete Fahrtplanung zusammensetzen. Dann gab es zwei wichtige Ereignisse: Zunächst einmal besuchte ich im Januar die Touristikmesse CMT auf dem Stuttgarter Killesberg, dort den Infostand der Tschechischen Republik und nahm den Prospekt „Tschechien – Radfahren in grenzenloser Weite“ mit, in dem eine ganze Reihe von Touren beschrieben ist (unter anderem auch die schöne Strecke Wien-Prag, die ich vor 4 Jahren mit Dietrich gefahren bin). In diesem Prospekt fand ich auch den Elberadweg sehr schön beschrieben und dachte mir, „das wäre doch was für das nächste Jahr.“ Dann kam das Planungstreffen im Februar. Wir saßen bei Norbert zusammen, die Pläne und Karten lagen auf dem Tisch und Edgar monierte, dass er zu seinem Missvergnügen festgestellt habe, dass der Inntalradweg doch über große Strecken entlang der Autobahn verlaufe und das sei doch eben nicht schön! – Nachdenkliches Schweigen war die Folge. Daraufhin meine Frage, wie es denn wäre, wenn wir statt dessen die Elbe……………… Ja, wie und wo und was? Dann haben wir gemeinsam den Prospekt studiert. Dietrich schwelgte gleich in Erinnerungen an die gute böhmische Küche, die er vor vier Jahren genossen hatte und dann wurde sehr schnell beschlossen: Wir fahren die Elbe entlang! Mir fiel die schöne, aber nicht ganz leichte Aufgabe zu, die Fahrt logistisch vorzubereiten. Zunächst einmal: Einen Radwanderführer für die Strecke gibt es nicht. Die von mir befragte Buchhandlung meldete Fehlanzeige. Aber: Gute Radwanderkarten 1 : 75.000 für Tschechien gibt die Firma SHO-Cart heraus (http://www.shocart.cz/index_eng.html), die im Internet recht umfassend vertreten ist. Dort habe ich ein Verlagsverzeichnis bestellt, das schnell kam und daraus habe ich dann die notwendigen Karten für die Strecke von Spindleruv Mlyn bis Decin ausgesucht. Es handelte sich um die Karten Nr. 104, 113, 114, 128, 127, 111, 109. Aber wie komme ich an die Karten? Zum Glück gibt es den guten Freund Thomas Bonek in Prag, den ich angerufen habe und der so lieb war, die Karten zu kaufen und mir zu schicken. Danke! Freunde sind doch etwas Schönes. Als die Post das Päckchen mit den Karten lieferte, wusste ich bereits, dass es auch einfacher gegangen wäre. In Kiel gibt es eine Versandbuchhandlung mapfox, bei der man via Internet auch die Karten der Fa. SHO-Cart ganz einfach bestellen kann (http://www.mapfox.de/). Also beim nächsten Mal! Ab – Litoměřice / Leitmeritz wollten wir dann das bikeline-Radtourenbuch Elberadweg Teil 1 (Prag-Magdeburg) aus dem Verlag Esterbauer benutzen. Wie sollten wir aber nun zu dem Anfang des Elberadwegs in Špindlerův Mlýn kommen? Špindlerův Mlýn hat keinen Bahnanschluss. Wir überlegten uns, im Nachbartal in Harrachov, das man von Stuttgart aus mit der Eisenbahn über Prag erreichen kann, zu beginnen und dann von dort aus mit dem Rad Richtung Spindleruv Mlyn zu fahren – keine schlechte Idee. Das sind ca. 20 zusätzliche Kilometer – allerdings mit erheblichen Steigungen (900 Höhenmeter). Aber: Edgar organisierte einen Kleinbus mit Fahrer, der uns komfortabel bis Spindleruv Mlyn bringen und der uns dort unserem Schicksal überlassen sollte. Also war dieses Problem auch gelöst. In Spindleruv Mlyn ankommen, würden wir zunächst einmal ein Ausgangs-Quartier benötigen. Dieses wollten wir möglichst frühzeitig buchen. Das Touristik Büro INFO CENTRUM Přední Labská 47, 543 51 Špindlerův Mlýn, Tschechische Republik Tel.: +420-499-433 148 / Fax: +420-499-433 355, (http://www.spindleruv-mlyn.cz/), E-mail: info@spindleruv-mlyn.cz, bereitete uns zunächst einmal eine Enttäuschung. Herr Ondra erklärte mir, dass zu Pfingsten die deutschen Touristen kommen und dass es recht voll sein werde. Eine langfristige Buchung für eine Nacht durch vier Radwanderer ist nicht gerade der Hit, den sich die Hotelbesitzer vorstellen! Aber man werde sich bemühen, um uns zu versorgen. Wir sollen uns keine Sorgen machen, wir würden zwar kurzfristig, aber rechtzeitig eine Unterkunft erhalten. Ich machte mir trotzdem Sorgen. Unnötig, denn vier Tage vor Reisebeginn erhielt ich das Mail: Das Hotel Bedříška freue sich, uns als Gäste begrüßen zu können. Wie konnte ich mir nur Sorgen machen! Vielen Dank an Herrn Ondra und Frau Skopeckova! Für die weitere Fahrt hatten wir vor, uns jeweils dann einen Gasthof oder ein Hotel zu suchen, wenn wir genug geradelt wären. Ein Blick ins Internet zeigt, dass es auf der Strecke genügend Quartiere gibt. Ausführliche Übersichten finden sich z.B. bei www.travelguide.cz; www.pensionhotel.cz; und anderen Anbietern. Außerdem sind in den Beiheften zu den Landkarten der Fa. ShoCart auch in gewissem Umfang Unterkünfte und Werkstätten verzeichnet. Schließlich haben wir unsere Räder mit den neuen „unplattbaren“ Reifen von Schwalbe ausgestattet, um nicht übermäßig mit Flicken beschäftigt zu sein. Angesichts der vielen Glasscherben auf dem Weg war das eine gute Vorsichtsmaßnahme. Die Tour vom 20.05. bis 30.05.2004 Am 20.05.2004 soll um 7.00 Uhr in Stuttgart der Start sein. Die Fahrräder von Dietrich, Norbert und mir sollen zunächst auf mein Auto geladen werden. Wir wollen dann gemeinsam nach Schwäbisch Hall fahren. Dort werden wir dann den von Edgar organisierten Kleinbus besteigen und ins Riesengebirge fahren. Norbert ist schon um ½ 7 Uhr da. Wir laden die Fahrräder auf und warten. Dietrich kommt um 7.15 Uhr Na schön. Schnell noch sein schönes neues Fahrrad aufgeladen und dann fahren wir los. Wohl etwas zu schnell, denn auf der B 14 bei Fellbach tut es einen Schlag und wir können Dietrichs Fahrrad durch das rechte Seitenfenster betrachten. Nothalt! Das Fahrrad hat sich aus der Halterungsstange gelöst. Die Räder hängen aber noch in der Führungsschiene. Das Fahrrad wird aufgerichtet. Wir kommen mit einer kleinen Verspätung in Schwäbisch Hall an und stellen fest, dass das Hinterrad von Dietrichs Fahrrad verbogen ist. Wir beratschlagen kurz und entschließen uns dann, das beschädigte Fahrrad in Schwäbisch Hall zu lassen. Dietrich bekommt als Ersatz das Fahrrad von Edgars Sohn Martin. Wir beladen den Kleinbus und dann geht’s um 9.00 endlich los. Die Stimmung ist gehoben optimistisch, wenngleich Dietrich sich offensichtlich schwere Gedanken um sein schönes neues Fahrrad macht. Um 17.00 Uhr kommen wir in Spindlermühle an und fahren gleich zur Passhöhe Spindleruv Mlyn / Przesieka, wo wir vor der Spindleruv Mlyn Bouda stehen, den Blick über das Riesengebirge (mit einigen Schneefeldern) gleiten lassen und natürlich auch hinüber nach Polen sehen. Schön ist es hier – aber auch recht frisch. Den Weg zur Elbequelle müssen wir uns verkneifen, weil die Quelle im Nationalpark liegt und die dorthin führenden Wege mit Fahrrädern nicht befahren werden dürfen. Allerdings sehen wir mit einer gewissen Wehmut auf die vielen abgestorbenen Bäume. Das Waldsterben ist hier offensichtlich ein großes Thema! Dann geht es hinunter in den Ort, wir schauen erwartungsvoll auf die Elbe, die hier fast 7 Kilometer jung ist, als munteres Gebirgsflüsschen kräftig rauscht und die wir in den nächsten 10 Tagen auf ihrem Weg begleiten wollen. Das Hotel ist gut, wir schlafen fest. Am 21.05.2004 um 9.00 Uhr starten wir am Hotel. Der Himmel ist „heiter bis wolkig“. Es ist ausgesprochen kühl. Wir haben lange Radlerhosen und Windjacken an und fahren auf der mittelmäßig befahrenen Landstraße längs der Elbe, die hier über Felsen zu Tale rauscht. Auf der Straße gibt es seitlich einen (mehr oder weniger gut erkennbaren) weißen Streifen, der unseren Bewegungsfreiraum auf der Straße markiert. Ein Radwegwanderzeichen mit Hinweis auf den Radwanderweg 24, auf dem wir uns befinden, ist allerdings nirgendwo zu sehen. Zunächst geht es schön bergab bis Vrchlabí, dann durch Hostinné und dann taucht an der Weggabelung bei Horni Debrné plötzlich, jählings und unerwartet ein richtiges Radwanderzeichen auf. Wir freuen uns darüber. Bei der Fahrt durch die Dörfer werden wir von ausdauerndem Hundegebell begleitet. Der erste Hund in der Straße fängt an, der Nachbarhund setzt das Gebell fort, so dass, bis wir zum Ende des Dorfes kommen, alles im Aufruhr ist. Bei Horní Nemjov haben wir die erste Steigung, bei der wir so richtig die Schwere unseres Gepäcks spüren und kommen dann gegen Mittag in Dvůr Králové an. Am Marktplatz steht das schöne sgraffito-geschmückte Renaissancerathaus aus dem 16. Jahrhundert. Nach einem bewundernden Blick darauf zieht es uns aber in den Gasthof im Innenhof eines der den Marktplatz umgebenden Häuser, wo wir uns stärken. Der Himmel meint es gut mit uns, es bleibt weiter heiter bis wolkig, wir kommen nach Kuks. Dort gab es links der Elbe ein Schloss mit Badeanlagen (Mineralquellen), von dem nur noch noch eine breite Treppe übriggeblieben ist, an der links und rechts treppenartig das Wasser herunterfließt. Vom Fuß der Treppe dann ein Blick auf die rechts auf der Anhöhe liegende beeindruckende ehem. Spitalanlage, zu der wir uns dann stöhnend hocharbeiten. Dann geht es weiter, in Brod „verlieren“ wir das Wanderzeichen, fahren „Lehm- und Wiesenwege“ und gelangen dann nach Jaroměř. Von dort geht es wieder über mäßig befahrene Landstraßen nach Hradec Králové (Königgrätz). Wir haben 91 km hinter uns. Unser Wunsch nach Hotelzimmern am wunderschönen dreieckigen Marktplatz mit einer hohen Mariensäule (Pestsäule 1717), Kathedrale und Rathaus lässt sich leider nicht verwirklichen. Wir finden Unterkunft im (Inter-)Hotel Alessandria. Kaum haben wir die Hotelhalle betreten, bricht draußen ein Unwetter aus. Es stürmt und regnet. Nachdem wir uns frisch gemacht haben, wollen wir Essen gehen – nicht im Hotel! Edgar bestellt wegen des Unwetters ein Taxi und bittet den Fahrer, uns zu einem „guten Restaurant“ zu fahren. Das tut der auch. – Besser wäre es allerdings gewesen, dem Fahrer zu sagen, dass das Restaurant auch im Stadtzentrum liegen sollte. Der Fahrer fährt uns weit hinaus vor die Stadt zu einem guten Lokal – er hat dabei ein gutes Geschäft gemacht. Am 22.05.2004 starten wir um 9.00 Uhr. Es hat über Nacht deutlich abgekühlt. Der Himmel ist relativ stark bewölkt. Wir haben kräftigen Gegenwind. Über mäßig befahrene Landstraßen geht es nach Pardubice. Am Stadtbeginn gibt es ein Wehr, das die Elbe staut. Die Ausschilderung dort ist etwas verwirrend, auch aus der Karte werden wir nicht recht schlau. Wir fahren rechtselbisch weiter. Das ist natürlich falsch. Wir hätten über das Wehr die Elbe überqueren müssen. Nach Durchfahren der sehenswerten Pardubicer Altstadt sind wir wieder auf der „richtigen“ Landstraße. Norberts Trinkflasche ist leer. In Opocinek repariert die freiwillige Feuerwehr ihr Gerätehaus. Die gibt ihm natürlich gerne genügend Wasser. Eine alte Babka, die – wie sie dann erzählt – 81 Jahre alt ist, spricht bei dieser Gelegenheit Norbert und Edgar an. Sie spricht nur – die beiden aber kein – Tschechisch. Es ergibt sich eine interessante und witzige Unterhaltung „mit Händen und Füssen“. Sie erzählt von ihrem Mann, der wohl Zwangsarbeiter war, von ihrem Enkelkind, das die Matura gemacht hat und von Vielem mehr, was Norbert und Edgar nicht verstehen. Eine wichtige Botschaft will sie uns aber übermitteln und holt dazu ganz aufgeregt ihren Nachbarn dazu; wir sollen erst geradeaus und dann rechts fahren, der ursprünglich von uns vorgesehene Weg ist auf dem nächsten Kilometer ganz schlecht. Wir verstehen die Botschaft und befolgen sie. Hinter Valy fahren wir an zwei wunderschönen großen Badeseen vorbei. Die Sonne scheint zwar, aber es ist richtig kalt! An Baden ist nicht zu denken. Es ist Mittag, meine Mitfahrer haben Hunger. Edgar und Norbert, die etwa 200 Meter vorgefahren sind, halten in Semin vor einem Hostinec und wollen dort offensichtlich essen. Ich kenne Hostinec’s zu Genüge und weiß, dass diese – wenn man die Ansprüche meiner Mitreisenden zugrunde legt – nicht ohne weiteres zu genießen sind. Es gibt da gewaltige Unterschiede. Eine vorherige Besichtigung ist immer zu empfehlen. Auf meine verwunderte Frage, ob sie denn da schon hineingeschaut hätten, antworten sie mit „ja“. (Sie hatten allerdings nur durch’s Fenster geschaut!) Jedenfalls sind wir hinein. Es handelt sich um ein Hostinec der früheren Klasse III – IV. Auf dem Tisch gibt es zwar Tischdecken, die aber Brandlöcher aufweisen. Die Zigarettenasche der letzten Tage liegt auch noch drauf. Die Luft im Raume ist tabakaromatisiert. Wir bestellen ein volkstümliches Gericht, nämlich panierten Käse. Der Wirt legt uns dann die Bestecke hin, und Edgar meint ganz trocken, er werde wohl schon allein von den Essensresten zwischen den Zinken der Gabel satt werden. Nun denn, wir haben Hunger und Durst. Ich nehme einfach die Brille ab und lasse es mir schmecken. Dies ist (leider) der erste und einzige Hostinec-Besuch auf dieser Reise. Die Herrschaften besuchen dann nur noch Gasthäuser mit der Aufschrift Restaurace. Eigentlich schade! Bei Selmice ist ein großes Gestüt. Wir zählen rd. 80 Pferde, die auf der großen Koppel grasen – edle Gestalten! Hinter Týnec geht es dann auf der Hauptstraße (ohne Fahrradweg) schnell bergab. Am Straßenrand mehrere kleine Holzkreuze. Wir sehen ein älteres Paar, das Blumen niederlegt und: die Autos rasen vorbei! Wir freuen uns, dass wir bald von der Straße abbiegen können. Nun geht es auf Lehm-, Schotter- und Feldwegen weiter und wir erreichen dann Kolín! Hinter uns liegen 81 km. Quartier nehmen wir im sehr schönen Hotel Theresia. Zum Abendessen laufen wir in die Stadt hinunter. Es ist richtig kalt geworden. Nach einem ausgedehnten Rundgang durch Straßen und Gässchen sowie über den schönen Marktplatz und der Besichtigung mehrerer Restaurants beschließen meine Mitfahrer, doch lieber im Hotel zu Abend zu essen. Nach dem Hostinec-Erlebnis streben sie nach Sicherheit. Das Essen im Hotel ist wirklich gut. Am 23.05.2004 zeigt sich beim Aufstehen ein blauer Himmel. Schön, denn die Straßen sind nass. Die Dame an der Rezeption bestellt freundlicherweise telefonisch schon unser nächstes Quartier. Wir werden in Melnik im Hotel Ludmilla wohnen. Als wir nach dem Frühstück die Fahrräder beladen, nieselt es. Wir ziehen unsere Regenkleidung an. Es ist ausgesprochen kalt. Wir wechseln auf die andere Elbeseite und fahren dann auf einem schönen, zunächst asphaltierten, gut ausgeschilderten Fahrradweg. Es geht durch ausgedehnte Naturschutzgebiete, dann auf lehmigen (durch die Nässe rutschigen) Wegen. Die Vögel singen, wir sehen Fasane und viele Schwalben, die ganz niedrig zwischen uns her fliegend nach Futter suchen. Von Mücken aber keine Spur! Vier Kilometer vor Poděbrady verfahren wir uns bei der Autobahnbrücke der D 11 / E 46. Wir hätten uns links halten sollen, fahren aber halbrechts. Als wir den Fehler bemerken, sind wir bei der Bundesstraße 32. Wir kämpfen uns mit den Rädern die Böschung hoch. Es ist eng, steil und rutschig. Mein Fahrrad schlägt mit dem Kettenblatt kräftig auf einen Betonsockel. Es scheint aber weiter nichts passiert zu sein. Dann fahren wir auf der Standspur der Bundesstraße weiter. Norbert wird ziemlich nervös, weil er glaubt, dass die Straße für Fahrräder verboten sei. Die Polizei werde uns wohl bald holen. Bei Vrceni fahren wir dann ab und kommen über die Landstraße bei strömendem Regen nach Poděbrady. Dort stärken wir uns in einem Restaurace mit kräftiger Suppe. Es geht weiter entlang der Elbe bis Nymburk. Kurz vor Nymburk hagelt es gewaltig und ausdauernd. Dann klart es kurz auf und beginnt aber gleich nach Nymburk wieder stark zu regnen. Der Weg (lehmig, holprig, schmal, stellenweise sumpfig) hat streckenweise den Charakter eines Pfades und wird sehr rutschig. Die Fahrt kostet unwahrscheinlich Kraft. Wir kommen kaum voran. Im Sommer bei trockenem Wetter muss es hier wunderschön sein, aber jetzt ist das keine Strecke für Trekking-Räder. Da würden sogar Mountainbikes Probleme haben! Kurz vor dem Wehr bei V Chaloupkach hat sich der Feldweg in einen totalen Sumpf verwandelt. Die Räder rutschen und wir bleiben stecken. Der Wind pfeift, es gießt in Strömen, der Regen kommt uns fast waagerecht entgegen. Der Feldweg erweist sich als kräfteraubend. Als wir den hinter uns gelassen haben, kommen wir auf eine Holperstrecke. Wir werden alle durchgeschüttelt. Dietrich hat die Nase voll und fordert vehement, dass wir jetzt ab sofort auf einer Landstraße fahren. Dies ist im Hinblick auf den fortgeschrittenen Tag und die bisher zurückgelegte Wegstrecke ein guter Vorschlag. Am Wehr bzw. der Schleuse bei Čelákovice wechseln wir deshalb auf die andere Elbeseite und fahren dann bei strömendem Regen die Landesstraße 245 bis Brandys n.L., dann weiter über ein kleines Sträßchen über Záryby nach Kostelec. Der Wind pfeift uns immer noch entgegen. Es sind etwa 4 Grad. Wir fahren dann weiter auf der Landesstraße 101 bis Neratovice und sind dort mit unseren Kräften ziemlich am Ende. Wir sind trotz der (inzwischen mit Schlamm verschmierten) Regenkleidung durchnässt und es wird uns richtig kalt. Trotz der feuchtigkeitabweisenden Langlaufhandschuhe, die ich angezogen habe, sind meine Finger so klamm, dass ich kaum Schaltung und Bremsen bedienen kann. Das letzte Stück auf der Landesstraße 9 Richtung Melnik ist eine Qual! Dann kommt das Orteingangsschild Melnik (Es ist 18.00 Uhr und 82 feuchte km liegen hinter uns!) und…. die Sonne scheint plötzlich! Das tröstet uns jetzt auch nicht mehr. Das Hotel Ludmilla ist gleich am Ortseingang rechts. Sofort ins Zimmer und ganz heiß duschen! Das Abendessen wird mit heißem Tee, Schnaps und einer Knoblauchsuppe eingeleitet. Dieser Tag war der absolute Härtetest für Mensch und Material. Edgar berichtet beim Abendessen, welche Probleme er mit der Dusche hatte: Aus dem Warmwasserhahn kam nur kaltes Wasser. Mir als Brillenträger war gar nicht aufgefallen, dass die Wasserhähne in unseren Zimmern alle falsch herum angeschlossen waren! Ich hatte (ohne Brille) einfach nur die Hähne aufgedreht. Eine leichte Behinderung ist offensichtlich manchmal von Vorteil! (Aus heutiger Sicht: Es wäre richtig gewesen, diese Strecke zu halbieren und sie in zwei Tagesetappen zu fahren. Dann wäre die Sache erträglicher gewesen! Aber wer konnte ahnen, wie sich der Weg und das Wetter entwickelt? Hinterher ist man halt immer klüger!) Am 24.05.2004 starten wir um 9.00 Uhr am Hotel, schauen hinauf zu dem blauen Himmel, an dem sich einige Wolken zeigen, fahren in die Stadt, schauen uns die (leider geschlossene) Propsteikirche und die Kirche der 14 Nothelfer von außen an und blicken von der Aussichtsterrasse hinunter auf den Zusammenfluss von Moldau und Elbe. Die Elbe ist zwar an dieser Stelle noch nicht so lang wie die Moldau, führt aber mehr Wasser und ist auch viel weiter hinauf schiffbar. Es ist immer noch recht kalt! Auf wenig befahrenen Landstraßen strampeln wir fleißig gegen den Wind. In Dolní Beřkovice, dessen Kraftwerk wir schon von ferne sehen (aber nicht riechen, weil es inzwischen eine Entschwefelungsanlage gibt), gibt es im Restaurace eine Suppe. Bei Racice macht die Elbe einen Bogen und fließt nach Südwesten. Wir sind sehr gespannt und werden nicht enttäuscht: Der Wind dreht sich und wir haben weiterhin nur Gegenwind. Schließlich kommen wir nach Terezín / Theresienstadt. Es geht zunächst an der Festung entlang, bis wir den Eingang und damit auch die KZ-Gedenkstätte erreichen, die wir tief bewegt betreten. Es ist ein erschütternder Ort, an den insgesamt rd. 140.000 Juden verbracht wurden. Ich denke an meine Tante Ida, die hier die Jahre 1942 bis 1945 verbringen musste. Wir fahren dann weiter nach Litoměřice und nehmen Quartier im Hotel Salve Guarda direkt am Marktplatz, einem Renaissance-Gebäude mit Sgrafitti außen und schönen Zimmern innen, in dem wohl schon berühmte Gäste waren (z.B. Madeleine Albright) und in dem wir dann auch ein stilvolles Abendessen einnehmen. Die Tagesetappe betrug 74 km! Den Stadtrundgang nutzen wir dazu, für mich einen neuen Sattel zu kaufen. Der alte hat die holperige Wegstrecke nicht überstanden. Am Marktplatz bewundern wir die Dekanalkirche, den Stadtturm, das Kelchhaus mit seiner eigenartigen Kuppel, die Pestsäule und machen dann einen ausgedehnten Spaziergang durch malerische Gässchen und Laubengänge. Norbert besucht die Abendmesse und ist über die große Zahl der Besucher erstaunt. Im Hotel sind auch andere Radler. Einer ist mit dem Fahrrad von Prag gekommen. Er hat einen „Einradanhänger“, mit dem er auf den tschechischen Radwegen wohl noch keine guten Erfahrungen gemacht hat und mit dem er sein Zelt transportiert. Er hat sich 4 Wochen für die Strecke bis Cuxhaven vorgenommen. Wir unterhalten uns mit zwei Engländern, die mit dem Rennrad in acht Wochen Tschechien, die Slowakei, die Ukraine und Slowenien erkunden wollen…………, na denn, gute Fahrt! Am 25.05.2004 starten wir um 9.00 Uhr bei der Wetterlage „heiter bis wolkig“. Es ist immer noch sehr kühl! Ab hier benutzen wir das bikeline-Radtourenbuch. Entlang der Landstraße und der Eisenbahnlinie geht es auf Fahrradwegen recht gut voran. Zwischen Cirkvice und Sebuzin blockiert plötzlich meine Kette, sie hängt im Zahnkranz fest, das mittlere Kettenblatt ist völlig verbogen. Ich kann nicht mehr weiter. Aber: Dieses passiert genau unter dem Hinweisschild auf die Fahrradwerkstatt „Velo-Novy“, die sich 50 Meter oberhalb des Radweges befindet. Wir schieben das Rad hinauf, müssen uns kurz mit dem Schäferhund des Besitzers unterhalten und dann wird das Rad repariert. Eine Stunde vergeht, dann ist es fertig. Neues Kettenblatt und neues Tretlager = 85 Euro. Dann können wir wieder kräftig in die Pedalen treten. Über Fahrradwege und wenig befahrene Straßen geht es an Usti und Schloß Velké Březno / Schloss Groß Priesen vorbei nach Děčín. In Děčín wechseln wir auf die andere Elbeseite und bleiben in Horní Zleb auf dem Weg unten an der Elbe und fahren nicht den Berg hinauf. Dies ist ein Fehler, denn die nun folgende Strecke bis Čertova voda. ist kein Radweg, sondern allenfalls eine Teststrecke für Federgabelhersteller. (Diese Strecke ist für Gebissträger ungeeignet!) Anschließend geht es auf dem asphaltierten Radweg normal weiter. Von der Grenze merken wir nichts. Es gibt keinen Schlagbaum mehr – das vereinte Europa lässt grüßen! Wir bleiben dann auf der linken Elbeseite bis Bad Schandau und setzen dort mit der Fähre über. Im Fremdenverkehrsamt vermittelt man uns die letzten freien Zimmer – die Saison hat schon begonnen! Diese Tagesetappe betrug 69 km. Am 26.05.2004 starten wir bei Nieselregen in Bad Schandau. Unser Hotelwirt gibt uns gute Wünsche mit auf den Weg, nachdem er uns noch gezeigt hat, bis wohin im letzten Jahr das Elbehochwasser reichte. Das Hotel ist zwar renoviert, im Untergeschoss – so klagt er – muffelt es aber trotzdem immer noch, insbesondere bei feuchtem Wetter. Wir fahren zunächst rechtselbisch, setzen dann bei Königstein auf die linke Elbeseite über und haben nun einen wunderbaren Blick auf die Felsen des Elbsandsteingebirges, die sich mächtig über das Flusstal erheben. Den Blick können wir auch genießen, denn wir befahren jetzt asphaltierte Wege. Wir fahren mal unterhalb, mal oberhalb der Eisenbahnschienen, in Oberrathen geht es etwas kräftiger den Berg hinauf, die Bahnschranke ist geschlossen, so dass wir auch keinen Anlauf nehmen können. Schieben tut auch mal gut. Auch für unser Seelenheil wird gesorgt: In Wehlen gibt es sogar eine Radfahrerkirche. Der Nieselregen hat nachgelassen und wir kommen bei zaghaften Sonnenstrahlen in Pirna an. In Pirna radeln wir einmal einen Bogen durch die Altstadt. Schöne alte Bürgerhäuser mit Erkern und Giebeln gibt es zu sehen. In einem Cafe am belebten Marktplatz gibt es die notwendige Stärkung. Dann geht es linkselbisch weiter. In Kleinzschachwitz lege ich eine kleine Gedenkminute ein, weil meine Mutter, die einen Teil des Krieges in Dresden verlebte, mir oft davon erzählt hat. Auf der anderen Seite der Elbe liegt das Schloß Pillnitz. Als ich es fotografiere, schiebt sich dazu noch einer der altertümlichen Elberaddampfer ins Bild. Ein Stück weiter will ich nochmals fotografieren. Ich fahre rechts ran, hole den Fotoapparat heraus, hebe ihn ans Auge und dann tut es einen Schlag, der mich fast umhaut. Norbert, der so 150 Meter hinter mir war, hat mich voll gerammt. Er hat wohl einen kleinen Minutenschlaf gehalten. Man sieht mal wieder, wo die wahren Gefahren bei einer solchen Tour lauern: es sind die radelnden Freunde! Und dann sind wir schon in Dresden, fahren an der Stahlbrücke „Blaues Wunder“ vorüber und schieben dann ab der Carolabrücke die Räder durch das Menschengewimmel in der Altstadt. Die Renovierung der Frauenkirche, die ich noch als Trümmerhaufen erlebt habe, hat gute Fortschritte gemacht. Nur der Turm ist noch eingerüstet. Augustusstraße – Hofkirche – Semperoper. Dann besteigen wir wieder die Räder und begeben uns auf den Fahrradweg, den wir leider ganz schnell wieder verlieren, um uns dann im Messegelände zu verirren. Zwei freundliche Polizisten weisen uns dann den richtigen Weg über die Flügelwegbrücke. Dann fängt es mal wieder an richtig zu regnen. Wir legen daraufhin an der Mühle bei Gohlis eine Pause ein. Dort gibt es einen Biergarten mit einem netten Wirt, der nicht nur ein Herz für Radfahrer, sondern auch ein Gästebuch hat, in dem sich „Legionen von Radfahrern“ eingetragen haben. Wir treffen dort drei Radler, die mit dem Zelt von Prag herkommend, die Elbe abwärts fahren und einen etwas abgeschafften Eindruck machen. Die Kälte, der Regen und der Wind haben ihnen zugesetzt. Die Strecke kann eigentlich nur mit relativ wenig Gepäck befahren werden. Und dann geht es über die Eisenbahnbrücke bei Niederwartha nach Altkötzschenbroda. Edgar hat sich schon seit Tagen auf Altkötzschenbroda gefreut. Zu Recht. Ein ganz nettes schnuckeliges Dörfle mit unzähligen Kneipen und stilvollen Gasthäusern, Galerien, schönen Geschäften (Kunsthandwerk) und einem Hotel „Goldener Anker“ (mit Ballsaal), in dem wir übernachten. Außerdem ist Altkötzschenbroda der Ort, in dem 1645 der Friedensvertrag zwischen Sachsen und Schweden unterzeichnet wurde – na bitte! Am Abend scheint freundlicherweise die Sonne. Edgar marschiert trotzdem los und kauft einen wärmenden Wollpullover. Heutige Tagesetappe 64 km. Am 27.05.2004 ist es morgens „heiter bis wolkig“, kühl, aber etwas wärmer als gestern. Edgar kauft Sonnencreme und ich fahre zum ersten Mal auf dieser Tour mit kurzer Hose! Wir fahren rechtselbisch Richtung Meißen. Schon von ferne sehen wir Burg, Dom und Schloss. Wir überqueren die Elbe, holpern mit unseren Rädern durch die Altstadt und schieben sie dann zur Albrechtsburg hinauf. Dort scheint dann auch mal wieder die Sonne. Nach einer Pause auf dem Domplatz, bei der wir die Domherrenhöfe bewundern, besichtigen wir den Dom. Dann geht’s wieder steil hinab zur Elbe, die wir überqueren und an der wir rechts weiterfahren. Bei Merschwitz eine Rarität: Der Fahrradweg führt über eine (kleine) Treppe. Der Radweg heute ist von höchst unterschiedlicher Qualität – und teilweise recht holprig. Dietrich wird ordentlich durchgeschüttelt. Auf der Elbe sehen wir einen tschechischen Schlepper der sich mühsam, aber erfolgreich mit drei Kähnen im Schlepp gegen die starke Strömung der Elbe durchsetzt. Die Elbe ist zwar schon lange schiffbar, aber erst seit Decin sehen wir ab und zu Frachtschiffe. Seit Pirna gibt es dazu immer wieder Ausflugsdampfer bzw. seit Dresden Kreuzfahrtschiffe. Bei Mühlberg setzen wir mit der (Gierseil-)Fähre über und fahren nach Belgern, um dort zu übernachten. Unmittelbar hinter dem Stadttor „fällt Dietrich vom Rad“. Warum ist allen nicht ganz klar. Er meint, er sei erschöpft gewesen und habe nicht aufgepasst. Jedenfalls versetzt er uns einen ganz schönen Schrecken. Wir finden dann (im zweiten Anlauf) eine Pension, die sich dadurch auszeichnet, dass die Haustür zwar normal hoch ist, die Flurtüre aber niedriger ist. Ich trete bepackt in das Halbdunkel ein und donnere mit dem Kopf gegen den Türbalken. Eine kräftige, blutende Hautabschürfung ist die Folge. (Der Türbalken nimmt zum Glück keinen Schaden! Das Haus steht noch.) Am Marktplatz steht vor dem roten Rathaus eine etwas unproportionierte sechs Meter hohe, alte Roland-Statue (sehenswert) und ein besuchenswertes Hotel „Alte Post“, in dem wir gut essen. Die heutige Tagesetappe betrug 71 km. Am 28.05.2004 starten wir wieder um 9.00 Uhr. Es ist leicht bewölkt. Wir werden wieder den ganzen Tag Gegenwind haben. Unsere erste Station ist Torgau – ein Zentrum der Reformation. Schon von ferne sind die Türme von St. Marien und Schloss Hartenfels zu erkennen. Zunächst fahren wir im großen Bogen zum Stadtkern und zum Marktplatz, auf dem gerade tatsächlich ein Markt stattfindet. Am Marktplatz das imposante Renaissance Rathaus, umgeben von unzähligen anderen alten, stilvoll renovierten Gebäuden. Dann geht es zum Schloss Hartenfels, dem ältesten Renaissanceschloss Deutschlands. Über den Bärengraben (mit Bären) gelangen wir in den Innenhof. Dieser hat eine besondere Atmosphäre, er strahlt eine große Ruhe aus, auch wenn sich dort doch recht viele Menschen bewegen. Wir bewundern den Großen Wendelstein, ein großes, repräsentatives, spiralförmiges, mit vielen Ornamenten geschmücktes Treppenhaus aus Elbsandstein. Man kann sich gut vorstellen, wie hier in der Vergangenheit prunkvolle Feste gefeiert wurden. Bei der Weiterfahrt durch die Stadt kommen wir dann noch an dem Haus vorbei, in dem Katharina von Bora, Luthers Ehefrau, starb. An der Elbe erhebt sich das Denkmal, das daran erinnert, dass sich hier am 25.04.1945 die russischen und die amerikanischen Truppen trafen. Weiter geht’s im Zickzack zwischen Feldern (mit Mückenschwärmen, aber ohne Schwalben) „über die Dörfer“ mit holprigen gepflasterten Straßen nach Pretzsch. Dort setzen wir mit der Gierseilfähre über. In Elster legen wir bei einem Italiener eine Pause ein. Norbert bestellt natürlich dann kein Radler, sondern ein „bierra ciclista“! Während wir dort auf der Terrasse sitzen und uns erfrischen, kommt ein tschechischer Schubschiffverband, der sich gegen die starke Strömung der Elbe voranschiebt. Das Schubschiff wird aber nicht durch eine Schraube, sondern durch ein großes Schaufelrad am Heck angetrieben. So etwas haben wir auch noch nicht gesehen! Dann geht es weiter in die Lutherstadt Wittenberg. Dort übernachten wir im Hotel Piesteritzer Hof – gut! Die heutige Tagesetappe beträgt 69 km. Am 29.05.2004 haben wir uns den Vormittag für die Besichtigung der Stadt vorgenommen. Von unserem Hotel im sehr schön sanierten und restaurierten früheren Arbeiterbezirk Piesteritz aus fahren wir in die Stadt und stellen fest, dass wir etwas früh dran sind. Alles ist noch geschlossen. Wir fahren erst einmal durch die Gassen, um uns einen Überblick zu verschaffen, schauen am Marktplatz das Luther- und Melanchthondenkmal an, inspizieren die Collegienstraße und können dann zunächst die Stadtkirche, in der Luther predigte und daran anschließend die Schlosskirche besichtigen. In dieser Kirche kaufen wir dann auch noch einen Druck der 95 Thesen, die Luther seinerzeit an die Tür des Nordportals „anschlug“. Um 12.00 Uhr starten wir zur Weiterfahrt. Zunächst einmal geht’s über 10 km der Landstrasse nach bis Coswig / Anhalt. Wir setzten dann mit der Gierseilfähre über. Ab Wörlitz geht’s dann auf dem Damm weiter, dann durch den Wald nach Dessau, wo wir dem Bauhaus einen kurzen Besuch abstatten. Wir entschließen uns, die Kühnauer Straße zu benutzen, kommen nach Aken und setzen dort mit der Gierseilfähre wieder über auf die andere Elbeseite. In Steutz stimmt der Streckenverlauf nicht ganz mit der Karte überein, das macht aber nichts, es geht dann weiter rd. 7 km durch den Wald bis Tochheim. Bei Ronney setzen wir mit der Gierseilfähre wieder über und kommen nach Barby. Der heutige Tag ist der Tag der Störche. Schon ab Pirna haben wir immer einzelne Störche gesehen. Heute erleben wir eine richtige Storchenversammlung. Schön! So etwas kennen wir aus Stuttgart nicht! Zum Glück haben wir schon am Mittag per Handy unser Quartier gebucht. Es gibt verschiedene Feste und Feiern am Ort – Quartiere sind knapp. Die heutige Tagesetappe beträgt 70 km. Am 30.05.2004 starten wir um 9.00 Uhr zur letzten Etappe. Wir fahren über die Eisenbahnbrücke und dann auf Wald- und Feldwegen über Gödnitz, Dornburg, Pretzien, Plötzky, Grünewalde, Pechau und nach Prester. Dort trinken wir noch ein stärkendes Radler und laufen dann in Magdeburg ein. Die heutige Tagesetappe beträgt 35 km. Insgesamt haben wir damit 693 km zurückgelegt. Am Hauptbahnhof wartet schon Martin mit dem Kleinbus, um uns wieder heim zu bringen. Bewertung: Es ist sowohl in Tschechien, wie auch in Deutschland eine von der Landschaft her sehr reizvolle Strecke mit vielen sehr schönen alten und sehenswerten Städten und Dörfern. Wir haben in den Städten jeweils Rundgänge gemacht und möchten das auch weiter empfehlen. Es gibt in den Gässchen immer wieder etwas zu entdecken. In den Naturschutzgebieten, die z.T. Urwaldcharakter haben, ist auch mit dem Fahrrad ein unmittelbares Naturerleben möglich. Es ist auch möglich, die Entwicklung der Elbe von einem kleinen Gebirgsfluss zur befahrenen Wasserstraße mit zu vollziehen. Aber: Der Elberadweg ist in Tschechien nicht mit anderen Radwegen z.B. Donau oder Rhein zu vergleichen. Die „Labská cyklotrasa“ verläuft in Tschechien überwiegend nicht auf eigenen , besonders angelegten Wegen, sondern auf – überwiegend mäßig befahrenen – Landstraßen. Dazu muss aber angemerkt werden: Wir haben (anders als vor einigen Jahren in Ungarn) mit den anderen Verkehrsteilnehmern eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht. Die Lastwagenfahrer waren immer sehr rücksichtsvoll, bremsten ab, drängelten nicht und hielten beim Überholen immer einen guten Sicherheitsabstand ein. Das gilt im Wesentlichen auch für die Pkw-Fahrer. Die Busfahrer scherten merkwürdigerweise oft nach dem Überholen zu schnell wieder ein, so dass wir einige Male abbremsen mussten. Ja, und dann gab es noch ein paar wenige Motorradfahrer, die wie der Blitz von hinten auftauchten an uns recht nah vorbeidonnerten und wieder entschwanden…..Aber die gibt es ja überall! Die Qualität der Wald- und Feldwege ist zum Teil katastrophal. Dies gilt insbesondere für den Abschnitt Kolin – Melnik. Unsere Tour war allerdings vor allem auch durch schwierige Witterungsverhältnisse geprägt, die den Zustand der Wege nochmals verschlechterten. Eine gute Kondition, ein sehr stabiles Rad mit Federgabel und Sattelfederung und gutes Kartenmaterial (s.o.) ist unbedingt notwendig. Ein Mountainbike wäre für die schlechten Wegabschnitte fast besser geeignet! Kleinere Etappen (als die unsrigen) könnten z.B. auch die Bewältigung der Strecke erleichtern. Die Tour ist in Tschechien für Kinder ungeeignet. Wer aber bereit ist, sich auf etwas erschwerte Bedingungen einzulassen, hat ein echtes, bleibendes und lohnendes Erlebnis. Es hat sich gelohnt, die Strecke zu fahren!

Walter Tattermusch