Vom Riesengebirge zum Elbsandsteingebirge-der Weg ist unser Ziel

Die Elbe seitwärts

Vom Riesengebirge zum Elbsandsteingebirge- der Weg ist unser Ziel

Es ist schon bemerkenswert, wenn 5 Senioren einer Rudolstädter Doppelkopfrunde eine Elbradtour unternehmen. Umso mehr, da es sich bei diesem Vorhaben um den 380 km langen Abschnitt in Tschechien, von Spindlermühle (Spindleruv Mlýn) bis Bad Schandau handelt. Denn die Strecke bis Cuxhaven haben die 62- 75 jährigen Herren bereits kennengelernt. In diesem Fall nehmen wir gerne die Hilfe eines tschechischen Reiseveranstalters in Anspruch, der für die gewünschten Tagesstrecken zwischen 92 und 66 km die Quartiere und das Kartenmaterial bereitstellt.
Mit einem Kleinbus und Hänger reisen wir Mitte Juni in Spindlermühle an, um am nächsten Tag der Elbquelle (Pramen Labe) einen Besuch abzustatten. Dazu geht es vom Ort mit dem Sessellift hoch ins Böhmische Riesengebirge und auf einem gut begehbaren Kammweg, von dem wir auch die Schneekoppe sehen können, nochmal 6 km zur 1386 m hoch liegenden Elbquelle. Hin und zurück benötigen wir etwa 6 Stunden für diese sehr schöne und eindrucksvolle Wanderung.
Der nächste Morgen sieht uns zeitig mit unseren Rädern auf der regennassen Straße die malerisch, bewaldete Schlucht hinab ins Tal rollen. Der rauschende Gebirgsbach Labe (die tschechische Elbe) begleitet uns zunächst bis Vrchlabi (Hohenelbe), wo wir dann den Beginn der Radroute 2 finden. Fortan weist uns ein gelbes Schild mit einem Fahrrad und der Ziffer 2 den Weg. Auf Radwegen, Landstraßen, und unbefestigten Abschnitten kommen wir gut voran, müssen aber leider auch verkehrsreiche Straßen in Kauf nehmen.
Unvermittelt finden wir uns auf der Staumauer der Talsperre Les Kralovstvi (Talsperre Königreichwald) wieder, die uns mit ihrer imposanten Torbogenanlage und den Ziertürmen beeindruckt. Hier haben wir auch mit 45 km die Hälfte unserer Tagesstrecke erreicht. Vor unserem Zielort Hradec Králove (Königgrätz) radeln wir am Ufer unter einer Lindenallee in die Stadt. Nicht ganz 7 Stunden haben wir für die 92 km benötigt. Unsere Pension befindet sich direkt am Markt, zu der uns eine freundliche, ältere Dame mit Fahrrad hinbringt. Sofort fallen die schönen Häuserfassaden, die vielen Türme an der Kirche, der Kathedrale, am Rathaus und die Arkaden im Umkreis des Platzes ins Auge.
Am nächsten Tag ist die Strecke von 77 km geplant, aber es sollte anders kommen. Zuerst verfahren wir uns. Nach einer Rast im Schloßhof Pardubice (Pardubitz) kommen wir gut voran, sehen uns dann aber in der Stadt Prelouc (Prelauc) wieder, die wir links liegen lassen wollten. Die Elbe wendet sich jetzt mit einem scharfen Knick nach Westen. Wir passieren Dörfer, kleine sandige, Waldabschnitte und holpern über Feldwege. Dessen nicht genug führt uns ein tief ausgefahrener Wiesenpfad an einer Vielzahl belegter Angelstellen direkt an der Elbe vorbei. Hier wird unser ganzes Können beim ausbalancieren der Räder mit dem etwa 15 kg Reisegepäck verlangt. Das Rütteln und Schütteln hört erst kurz vor unserem Ziel Kolin (Kolin) auf. Plötzlich sind wir nur noch zu dritt! Dank Handy ist eine halbe Stunde später wieder alles im Lot. Die Nachzügler hatten ein Abzweigschild übersehen. Aber die Suche nach unserem Quartier kostet noch einmal Nerven. 92 km in 9,5 Stunden, so hatten wir uns diese Etappe nicht vorgestellt. Was aber in solchen Situationen wichtig ist, nach einem guten Abendessen und einem Bier konnten wir über diese Wirren schon wieder lachen, das gehört nun mal zu einer guten Truppe.
Auf den 69 km nach Brandýs nad Labem (Brandeis a. d. Elbe) tags darauf sind wir anfangs gezwungen die Regenkleidung anzulegen. Es ist aber dann ein überwiegend angenehmes Radeln am Elbufer mit abwechslungsreicher Architektur historischer Bauwerke. Motorboote, Ruderboote und sogar ein Drachenboot- Rennen beleben den Fluss. Gegen 16.00 Uhr kommen wir in unserem Hotel an.
Am nächsten Morgen begrüßte uns ein Sonntag, der für ruhige Straßen aber belebte Radwege sorgt. Zunächst geht es wieder am Elbufer entlang, an dem beiderseits Petrijünger hoffen in der träge dahin fließenden Elbe ihren Fang zu machen. Die Beschaffenheit des Weges ähnelt der des Vortages, aber heute fehlen irgendwie die gelben Radroutenschilder. An der St. Peter- und- Paul- Kirche in Melnik haben wir von einem Hügel einen schönen Blick auf den Zusammenfluss von Moldau und Elbe. War die Elbe bisher schon mit einer Vielzahl sehenswerter Brücken und Staustufen versehen, ab hier gewinnt das alles eine neue Dimension. Noch etwas änderte sich. Zu unserem asphaltierten Radweg am Ufer gesellen sich deutlich mehr Rastplätze, Infotafeln und das bunte, sonntägliche Treiben neben und auf der Elbe nimmt zu. Nach 80 km treffen wir in Litomerice (Leitmeritz) ein. Ein drittes Mal innerhalb der letzten Tage steigen wir zum Abendessen hinab in ein Kellerrestaurant und sind erneut von dem Gewölbe des Rathauskellers, und dem Speisenangebot angetan.
Die sehr schöne Fahrt in Ufernähe, bringt uns am kommenden Tag zunächst nach Ústi nad Labem (Aussig). Vom rechtsseitigen Elbufer haben wir einen schönen Blick zur Stadt und auf das hochgelegene Schlösschen Vetruse.
Weiter bis in die Stadt Decin (Tetschen). Auf dem Marktplatz können wir uns vor dem ersten Regenschauer des Tages noch in Sicherheit bringen. Der zweite erreicht uns auf dem Weg zur tschechisch- deutschen Grenze. So sehen wir dann nach 13 km in Regenkleidung die Ausläufer des Elbsandsteingebirges und die Grenze nahe Schöna. Nach einem Schnappschuss am Grenzpfosten folgt die Überfahrt mit der Fähre noch einmal auf die tschechische Seite und wir haben unser Ziel Hrensko (Herrnskretschen) erreicht. Die Stimmung an diesem letzten gemeinsamen Abend ist trotz des miesen Wetters gut, denn wir sind nach 405 km Radfahren unbeschadet und pannenfrei angekommen.
Es sind am nächsten Tag nur noch wenige Kilometer bis Bad Schandau. Damit nähern wir uns dem Ort, von dem am 13.06.2013, unmittelbar nach der großen Flut, unsere Tour seitwärts der 1094 km langen Elbe begann. Damals stand auf unseren T- Shirts „Elbradtour 2013- trotz alledem“.

Heinz J.